20. November 2019, gepostet in Allgemein, PoetischesDie Weide

Ich stehe am Wasser, vorgeneigt, so dass ich mein Spiegelbild sehen kann. Ich finde es wichtig, sich manchmal selbst anzuschauen.

Mein Haar lasse ich lang wachsen; an meinen Schwestern, den Kopfweiden, wird ja dauernd herumfrisiert; das wäre mir nichts.

Von meinen Zweigen umhüllt, träumen Liebespaare. Bei mir fühlen sie sich geborgen, das finde ich schön.

Ich erkenne die Liebenden, sie tun niemandem weh, auch mir nicht. Die anderen zücken ihre Messer, damit alle Bescheid wissen. Ich habe viele Narben.

Manche finden mich traurig. Trauerweide, sagen sie.

Sie erkennen die Sanftheit nicht, weil sie sie aus ihrem Leben verbannt haben. Ich möchte sie einladen zu mir. An meinen Stamm gelehnt, aufs Wasser schauend, finden sie vielleicht ihr Sanftsein wieder; finden zueinander und zu sich selbst.


Karola Kruse
Letzte Artikel von Karola Kruse (Alle anzeigen)

Bildquelle: Karola Kruse

Letzte Blogbeiträge

Psychologische Traumdeutung: Die Brücke vom Unbewussten zum Bewussten.
Die psychologische Traumdeutung: 5 Meilensteine

Die psychologische Traumdeutung ist ein wirksames Instrument, allein oder im Coaching das Unbewusste zu erkunden und sich selbst besser zu verstehen. Diese Erkenntnis verdanken wir Sigmund Freud und weiteren Autoren. Ein Überblick über die wichtigsten Methoden und ihre praktische Anwendung.

weiterlesen
Traumdeutung: Phantasie und Traum
Traumdeutung: 9 Tipps zur Selbsterkenntnis

Wer seine Träume deutet, entwickelt mehr Verständnis für sich selbst und ist zufriedener. 9 Tipps für die Selbsterkenntnis durch Traumdeutung und praktische Anregungen für das Traumtagebuch.

weiterlesen
Trauerweide am Wasser
Die Weide

Wer liebt, tut dem anderen nicht weh. Die Trauerweide bietet Liebenden eine Zuflucht.

weiterlesen